Kampfsport oder Kampfkunst? Macht das einen Unterschied?

Ich denke, es macht grundsätzlich Sinn, das Spektrum der Kampf-Stile in Kampfkünste, Kampfsportarten und Selbstverteidigungs-Stile zu unterteilen. Warum macht das aus meiner Sicht Sinn? Die Unterteilung sagt dem interessierten Schüler bereits sehr viel über die aktuell gelebte Art und Weise seines Stiles aus. Dazu schreibe ich unten mehr. Zunächst etwas zur Trennlinie die ich definiere, […]

Ich denke, es macht grundsätzlich Sinn, das Spektrum der Kampf-Stile in Kampfkünste, Kampfsportarten und Selbstverteidigungs-Stile zu unterteilen. Warum macht das aus meiner Sicht Sinn? Die Unterteilung sagt dem interessierten Schüler bereits sehr viel über die aktuell gelebte Art und Weise seines Stiles aus. Dazu schreibe ich unten mehr. Zunächst etwas zur Trennlinie die ich definiere, um diese zu unterscheiden. Diese ist, ob der Stil sportliche Wettkämpfe beinhaltet oder nicht. Gibt es sie, handelt es sich nach meiner Definition um Kampfsportarten – gibt es sie nicht, handelt es sich um Kampfkünste oder reine Selbstverteidigungsstile.

Zu den Kampfsportarten zählen also nach dieser Definition u.a. Judo, Ju-Jutsu, Sumo, Taekwon-Do, Kendo, (Kick-& Thai-)Boxen und Karate. Zu den Kampfkünsten zählen u.a. Ninjutsu und Wing Chun. Systema und Krav Maga zähle ich zu den Selbstverteidigungs-Stilen. Ein Sonderfall bildet m. E. das Taijiquan, da es hier zwar Wettkämpfe gibt, diese aber auf Teilaspekte (Tui-Shou, Formenlauf) konzentriert sind, der Stil als solcher also nicht komplett im Wettkampf ausprobiert wird.

Da letztlich wohl alle Stile aus der gefühlten Notwendigkeit entstanden sind, sich in einem echten Kampf behaupten zu können, gründet die Wurzel der meisten Stile in der Kampfkunst. Es handelte sich schlicht um ein System, gegnerische Attacken zu überleben bzw. körperlich weitgehend unbeschadet zu überstehen. Im Laufe der Zeit, als kriegerische Auseinandersetzungen von Angesicht zu Angesicht abnahmen oder durch Gesetze des jeweiligen Landes die Ausübung der Kampfkünste verboten wurde, wurden diese Stile zu Kampfsportarten umgebaut. Die Verletzungsgefahr wurde z.B. durch die Reduzierung von Techniken reduziert (z.B. Jiu-Jitsu wurde zu Judo) oder der Schwerpunkt auf die Entwicklung der inneren, spirituellen Aspekte gelegt, wie es bei den Do-Künsten der Fall war. Die Kampfkünste hingegen haben ihre kriegerischen Wurzeln oft bewahrt und die Techniken nicht an ein sportliches Reglement angepasst, so dass diese authentischer an ihren Wurzeln blieben. Für den heutigen Schüler einer Kampfkunst bedeutet dies aber auch, dass die Menge der Techniken nicht ausgedünnt wurde und so das Erlernen der Kunst mehr Zeit in Anspruch nehmen kann. Dafür können Schüler der alten Kampfkünste auf einen reichen Schatz an Historie und Philosophie der entsprechenden Kampfkunst zurückschauen, was sicher die Faszination mancher Stile mit ausmacht.

Die Selbstverteidigungs-Stile haben sich in der Regel aller philosophischen Aspekte entledigt und konzentrieren sich ausschließlich auf die Praxistauglichkeit in der Gegenwart. Sie sind besonders für Menschen geeignet, die entweder in Berufen tätig sind, die einen gewissen Selbstschutz benötigen (z. B. bei der Polizei) oder die sich ein Basiswissen für den Fall der Fälle aneignen möchten, um in einer möglicherweise auftretenden Situation nicht ganz so unerfahren da zu stehen.

Es gibt auch hier, wie bei der Suche nach dem „besten“ Lehrer, keinen wirklich besseren oder schlechteren Ansatz. So würde ich nicht sagen, dass eine Kampfkunst immer besser als eine Kampfsportart ist oder umgekehrt. Auch sind manche Stile, die nicht reine Selbstverteidigungs-Stile sind, hervorragend zur Selbstverteidigung geeignet. Es kommt wie immer darauf an, was man möchte. Was möchte/braucht der angehende Schüler eines Stiles? Legt er Wert auf Authentizität? Ist er an einer modernen Art der Selbstverteidigung interessiert? Soll der Gebrauch von Waffen eine Rolle spielen? Ist der sportliche Wettstreit mit anderen attraktiv? Sind Graduieren für die eigene Motivation wichtig? Wie wichtig ist mir eine persönliche Weiterentwicklung, fernab der körperlichen Techniken…?

Diese Fragen sollten im Rahmen der Suche nach dem eigenen Stil beantwortet werden.

(c) Christian Riedel, Köln, 2017

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