Wie finde ich einen guten Lehrer?

Wie wahrscheinlich erwartet, muss dieser Beitrag damit beginnen zu betonen, dass es nicht den besten Lehrer für jeden gibt, sondern dass jeder den Lehrer finden muss, der zu ihm passt (nicht umgekehrt übrigens). Es gibt den Ausspruch, dass jeder Lehrer die Schüler hat, die er verdient und da ist sicher etwas dran. Er betont nebenbei […]

Wie wahrscheinlich erwartet, muss dieser Beitrag damit beginnen zu betonen, dass es nicht den besten Lehrer für jeden gibt, sondern dass jeder den Lehrer finden muss, der zu ihm passt (nicht umgekehrt übrigens).

Es gibt den Ausspruch, dass jeder Lehrer die Schüler hat, die er verdient und da ist sicher etwas dran. Er betont nebenbei aber auch die Notwendigkeit des Zueinander-Passens von Schüler und Lehrer. Das Verhältnis ist zentral für eine gute Weiterentwicklung beim Lernen der Kampfkünste.

In den japanischen Kampfkünsten gibt es den Ausspruch, dass der Lehrer die wichtigste Person im Leben ist, dann kommt der Ehepartner und dann die Kinder. Wahrscheinlich haben die Lehrer diesen Spruch in die Welt gesetzt und man sollte kritisch beleuchten, ob man dieser Reihenfolge auch folgen möchte. Aber eins ist klar: Der Lehrer ist zentral.

Beim gemeinsamen Lernen (denn der Lehrer lernt beim Lehren immer mit), gibt es mindestens drei Ebenen, die für ein Gelingen der Beziehung wichtig sind:

  1. Persönlichkeit (Werte, Weltanschauung, etc.)
  2. Gelehrte Kampfkunst
  3. Didaktik

Der Lehrer nimmt den Schüler mit auf eine lange Reise, in der er nicht nur die Kampfkunst, sondern auch sich selbst entdeckt und immer besser kennenlernt. Dies geht mit dem Grundgedanken einher, dass eine Kampfkunst immer ein Weg der Selbstvervollkommnung ist und nicht dem reinen Erlernen von Techniken dient – und schon gar nicht der Steigerung des eigenen Egos (übrigens auch bei beiden wichtig).

Der Schüler muss also Vertrauen in die Persönlichkeit des Lehrers haben, denn dieser sollte für ihn in vielen Belangen als Beispiel dienen können. Der Charakter des Schülers muss zwingend gefestigt und gestärkt werden, da sonst die körperlichen Fähigkeiten und die geistige Entwicklung sich voneinander entfernen. Der Lehrer muss also diese Funktion erfüllen können.

Die Kampfkunst, die der Lehrer anbietet, sollte auch zum Schüler passen. Auch wenn der Lehrer noch so gut ist und passt, ist nicht jede Kampfkunst für jeden geeignet. Das hat einmal mit der Physiognomie jedes einzelnen zu tun, aber auch mit Vorlieben und Abneigungen des Schülers.

Die Methode, mit der der Lehrer unterrichtet kann sehr unterschiedlich sein. In den klassischen Kampfkünsten herrschen in der Regel hierarchische Strukturen vor, die viel Respekt gegenüber höher Graduierten verlangen. Neuere Systeme sind meist deutlich lockerer in der Vermittlung der Kunst und teilweise wird als äußeres Zeichen auch auf Graduierungen verzichtet, was die Hierarchien weiter verflacht. Es gibt hier nicht „den“ richtigen Stil, auch dieser muss zum Schüler passen. Er sollte sich von der Art der Lehre „angezogen“ fühlen. Dann gibt es eine gute Chance, dass mit der Zeit ein starkes Band zwischen Lehrer und Schüler gespannt wird.

(c) Christian Riedel, Köln, 2017

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